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Der therapeutische Ansatz

In Österreich gibt es 28 verschiedene, gesetzlich anerkannte psychotherapeutische Richtungen. Diese Richtungen unterscheiden sich in der Art, wie sie psychische Leiden erklären, behandeln, wie lange eine durchschnittliche Therapie dauert, in welchem Setting vorzugsweise gearbeitet wird, welche Rolle der Therapeut übernimmt. Allen gemeinsam ist es, dass ihre Wirksamkeit in verschiedenen wissenschaftlichen Studien belegt wurde.

Dabei ist die erste Therapierichtung die ich erlernt habe, jene der systemischen Therapie, seit einiger Zeit ist meine zweite Therapierichtung jene der psychoanalytisch orientierten Psychotherapie (derzeit in Ausbildung unter Supervision)

Welche therapeutischen Konzepte meine Arbeit besonders stark inspirieren:

Wie gesagt sind es zwei therapeutische Schulen, die meine Arbeit besonders bestimmen: Jene der systemischen Therapie und jene der psychoanalytisch orientierten Psychotherapie. Einige Konzepte sind mir dabei besonders wichtig

Übertragung und Gegenübertragung

Das für mich zentrale Konzept der psychoanalytisch orientierten Psychotherapie ist jenes von Übertragung und Gegenübertragung. Das bedeutet, kurz gesagt, in etwa das Folgende: Die Idee ist, dass die Art wie wir mit anderen Menschen und mit uns selbst in Beziehung gehen geprägt ist durch unsere (früh-kindlichen) Beziehungserfahrungen. Das heißt, dass wir eben diese Art immer wieder in aktuellen Beziehungen wiederholen und das kann natürlich auch zu Problemen führen. Die Idee von Übertragung und Gegenübertragung ist es nun, dass wir diese Art in Beziehung zu gehen auch in der therapeutischen Beziehung wiederholen bzw. von unseren frühen Beziehungen auf die Aktuellen übertragen. So wird die Therapiebeziehung zu einem Ort, an dem sich Beziehung ereignet, zu einem besonderen Ort, da es hier wie in kaum einer anderen Beziehung die Möglichkeit ergibt, diese Beziehungsweisen zu thematisieren. Der Therapeut bietet dem/der KlientIn seine Gegenübertragung (das ist also die Weise, wie der Therapeut auf die übertragenen Gefühle reagiert) an. Er benennt was Interaktion des/der KlientIn in ihm auslöst. Es wird versucht zu verstehen, wie der/die KlientIn emotional Beziehungen erlebt und auch, wie der/die KlientIn zu diesem Beziehungsstil kam. Dieses Verstehen wiederum kann eine größere Freiheit in Bezug auf das Erleben und Handeln ermöglichen.

So ist es die Besonderheit des psychoanalytischen Zuganges, dass in der Therapie nicht nur über Probleme gesprochen wird, sondern dass sich die Probleme auch in der Therapie ereignen und sich somit die Möglichkeit ergibt, innerhalb der aktuellen Problemsituation an den Problemen zu arbeiten.

Offenheit
Die meisten Systemiker teilen die erkenntnistheoretische Haltung des Konstruktivismus. Das bedeutet, wir glauben nicht, dass es die eine Wahrheit gibt, die für uns alle gleichbleibend existiert, sondern daran, dass wir uns unsere Wahrheiten und Welten stets aktiv bewusst und unbewusst erschaffen (konstruieren). Aus diesem Gedanken resultiert ein besonderes Interesse an alternativen Weltsichten und Lebensentwürfen sowie ein besonderes Maß an Toleranz und Akzeptanz diesen gegenüber.

Ein spezielles Interesse an sozialen Zusammenhängen
Systemiker sind stark daran interessiert, wie psychische Probleme sozial bedingt und verstärkt werden. Daraus resultiert einerseits der Fokus auf das Mehrpersonensetting (Paartherapie, Familientherapie), sowie bestimmte Interventionen wie zum Beispiel die Arbeit mit dem Familienbrett, zirkuläre Fragen, Soziogrammarbeit etc.

Ressourcenorientierung
Es kann passieren, dass man vor lauter Problemen völlig den Blick für die eigenen Ressourcen verliert. Ein guter Teil der Arbeit eines systemischen Therapeuten ist so der Lösung des Problems und den Ressourcen der Person gewidmet. Probleme sind immer schon verdeckte Lösungen, könnte man als systemischer Therapeut formulieren. Techniken, die sich dabei als hilfreich erweisen sind etwa Reframings, Skalierung- oder Ausnahmefragen.

Interesse an der Art, wie Erlebnisse erzählt werden
Wichtig sind auch Überlegungen, die aus der Narrativen Therapie kommen. Die Idee dabei ist es, stark verkürzt gesagt, dass wir so sehr in unseren Geschichten leben, dass wir darüber vergessen, dass wir es sind, die diese Geschichten erzählen. In leidvollen Erzählungen etwa nehmen so sehr bestimmte Erzählstrukturen überhand, dass wir nicht mehr in der Lage sind, freudvolle Erfahrungen zu machen. Um wieder neue Erfahrungen zu machen ist es auch wichtig, Erfahrungen neu zu erzählen, alte Erzählmuster zu durchbrechen.  Als Therapeut bin ich insgesamt  sehr daran interessiert, wie etwas erzählt wird, welche Metaphern verwendet werden etc. Dieser Fokus liefert zahlreiche Ansatzpunkte für Interventionen, die helfen können, leidvolle Erzählmuster zu durchbrechen.